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Sonntag, 13. November 2016 - 07:20 Uhr

Eine Autorenlesung veranstalten / Ratgeber für Veranstalter & Autoren 17

Was gute Gastgeber bei einer Autorenlesung tun können

Damit eine Lesungsveranstaltung rundum gelingt, ist es opportun, dass sich Besucher und Schriftsteller gleichermaßen wohlfühlen - das wiederum liegt zu einem großen Teil in den Händen der Veranstalter. Sie können konkret darauf Einfluss nehmen, dass Autoren bei der Anreise bzw. beim Aufenthalt vor Ort zufrieden sind und bleiben:

  • Bei der Anreise mit dem Auto  hilft eine Anfahrtskizze und eine Beschreibung der Parkmöglichkeiten Stress zu vermeiden - bitte im Zeitalter der Navigationssysteme, die beispielsweise angesichts eines gesperrten Bahnübergangs oder einer anderen Baustelle einfach versagen müssen, solche "Klippen" und wie man am besten damit umgeht, im Vorfeld besprechen
  • Bei der Anreise mit dem Zug kommt eine Abholung vom Bahnhof immer gut an -einfach nachfragen, ob der Gast dies wünscht
  • Muss der Autor übernachten, sollte das Hotel einen gewissen Komfort bieten - eine Kaschemme wird jedenfalls nie positiv wahrgenommen. Außerdem kann sich der "Gastgeber" der Lesung überlegen, am Vorabend oder am Veranstaltungstag mittags - je nach Zeitpunkt der Lesung - den Autor zu einem gemeinsamen Essen auszuführen.
  • Je nachdem wie lang ein Autor rund um die geplante Lesung vor Ort bleibt/bleiben muss, sollten sich Gastgeber überlegen, wenigstens ein paar Informationen zur "Location" zusammenzustellen oder gar für die Zeit des Aufenthaltes ein "Rahmenprogramm" anzubieten, das Vorschläge zur [begleiteten oder unbegleiteten] Freizeitgestaltung enthält

Man kann es drehen und wenden wie man will: Wie stark sich Gastgeber in Bezug auf eine attraktive Gestaltung eines Autorenbesuches für den Gast finanziell und zeitlich engagieren, ist in der Regel ab Prominenz bzw. den Verkaufszahlen seiner Bücher. Kein Grund für "kleine Autoren", damit zu hadern, denn schließlich verfügen sie ja noch in ihrer Entwicklung als Schriftsteller über Spielraum nach oben und somit Perspektive.

Ganz gewiss ist aber auf Seiten der Gastgeber ein gewisses Fingerspitzengefühl im Umgang mit eigeladenen Autoren gefragt: Entweder sie behandeln alle ihre Gäste gleich - oder sie gehen diskret mit den Details zu den unterschiedlichen Besuchen um, denn niemand mag hören, dass der erfolgreichere Kollege die Fürstensuite im Grandhotel bewohnen durfte, man selbst aber in einer bescheidenen Kammer einquartiert wurde...

 

 

 

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Tags: Autorenlesung Leseförderung 

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Donnerstag, 10. November 2016 - 07:20 Uhr

Eine Autorenlesung veranstalten / Ratgeber für Veranstalter & Autoren 16

Autorenlesungen preiswert, kostengünstig oder billig suchen...?

 

Wer Bücher publiziert hat, ist nicht automatisch reich - obwohl dieser weitverbreitete Irrtum sich hartnäckig hält. Das mag ganz beeindruckend aussehen, wenn bei einer Lesung rund 50 Buchexemplare den Besitzer wechseln, die jeweils 20 Euro kosten. Aber was kommt davon bei Autoren an? Eine Beispielrechnung zeigt: nicht viel.

Von den € 20,--/Buch erhält ein Schriftsteller ein Autorenhonorar zwischen 5 und 10 %, je nachdem wie der Vertrag mit dem Verlag ausgehandelt wurde, in unserem Fall also maximal € 2,--. Von diesem Betrag müssen noch die Buchhandelsrabatte abgezogen werden - so um die 40 %. Dann bleiben dem Autor ca. € 1,20/Buch (oder im Falle eines weniger vorteilhaften Vertrages € 0,60/Buch), die bitteschön ordnungsgemäß zu versteuern sind... Von den satten 1.000 Euro, die sich nach so einem Buchverkauf in der Kasse drängeln, gehen also nur € 60,-- (€ 30,-- bei einem 5%-Vertrag) an den Urheber des Werkes, abzüglich der Steuern.

 

Wirklich leben von ihrer Schreiberei können nur vergleichsweise wenige Autoren; für die anderen stellt ihre Autorentätigkeit ein teures Hobby bzw. eine kostspielige Leidenschaft dar, wenn man Zeit & Arbeit bis zum fertigen Werk gegen die damit verbundenen Einnahmen aufrechnet: ein Mindestlohn von € 8,50/Arbeitsstunde ist und bleibt für die Mehrzahl der Schriftsteller ein unerreichbarer Traum.

 

Autorenlesungen dürfen nicht preiswert sein - das können sich Schriftsteller angesichts der oben dargestellten Bedingungen der wirtschaftlichen Seite ihres Schaffens einfach nicht leisten! Auch muss bedacht werden, dass da nicht traumhafte Stundenlöhne im dreistelligen  Bereich für 45 Minuten oder 60 Minuten Veranstaltungsdauer gezahlt werden, sondern dass das Lesungsentgelt viel mehr Arbeitszeit - abgesehen von der Tätigkeit Texte zu verfassen - mit  entlohnt: Lesungen müssen vorbereitet und nachbereitet werden, Menschen mit einer Festanstellung müssen sich dafür Urlaub nehmen; An- und Abreise kosten meist viel Zeit.

 

In jedem Fall stellen Lesungen vor allem für die Unter- und Mittelschicht der Autoren eine wichtige Einnahmequelle dar - mit der sie ihre Arbeit finanzieren, denn der Buchverkauf allein bringt bei den meist kleinen Auflagen nicht genug ein, um als Kulturschaffender tätig zu sein - und zu bleiben.

In der Förderlandschaft bzw. auf gewerkschaftlicher Seite (verdi) kursieren Empfehlungen bezüglich der Höhe von Autorenhonoraren für Lesungen, die bei ca. € 255,-- liegen. Das Honorar für eine Lesung sollte jeder Autor unbedingt VOR DER VERANSTALTUNG IM RAHMEN EINES AUTORENVERTRAGES MIT DEM VERANSTALTER SAMT DEM FÄLLIGKEITSDATUM FÜR DIE ZAHLUNG FESTLEGEN!

 

Gratis lesen? Bitte nicht! Kollegen, die das tun, betreiben Lohndumping für andere Schriftsteller. Pfui...

Sich dem Argument beugen, die Lesung diene dem Buchverkauf und darin liege der wirtschaftliche Vorteil für Autoren? Bitte auch nicht. Die obige Beispielrechnung erklärt, warum - und auf kaum einer Lesung werden 50 Bücher verkauft... Ein Veranstalter, der eine Gratis-Lesung erbittet kann dafür einzig und allein gemeinnützige Zwecke als Argumente ins Feld führen und die sollte sich ein Autor genau explizieren lassen!

 

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Tags: Leseförderung Autorenlesung 

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Dienstag, 8. November 2016 - 07:20 Uhr

Eine Autorenlesung veranstalten / Ratgeber für Veranstalter & Autoren 15

Definitionen zu Autorenlesung / Workshop / Schreibwerkstatt / Theaterwerkstatt / Werkstattgespräch

 

Rund um das Thema Autoren einladen, damit sie sich und ihre Werke vor Ort vorstellen, gibt es nicht nur das Veranstaltungsformat der klassischen Lesung. Wie genau Schriftsteller letztlich ihr Schaffen in der Öffentlichkeit präsentieren, ist ihnen überlassen. An dieser Stelle sollen einmal kurz ein paar Möglichkeiten lediglich skizziert werden:

  • Bei der klassischen Autorenlesung wird aus einem Werk vorgetragen. Der Vortrag kann - je nach Gegenstand - durch Puppenspiel, von Bildmaterial oder auch Musik begleitet bzw. untermalt werden. An den Vortrag schließt sich eine moderierte oder unmoderierte Fragerunde Publikum / Autor an. Abschließend werden ggf. Bücher verkauft und /oder signiert. 
  • In einem Workshop werden die Gäste aktiv. Meist geht es dabei darum, dass sie selbst kreativ zum Schreiben durch den anwesenden Schriftsteller angeleitet werden. Ein Workshop kann sich aber ebenso gut mit anderem kreativem Tun beschäftigen wie beispielsweise der Umsetzung eines Textes in Bilder, in ein Schauspiel oder der Vertiefung der Inhalte durch eine Art Ausstellung oder mit themenbezogenen Aktionen - Beispiel: Nach einer Lesung, in der ein Reisebericht über Brasilien vorgetragen wurde, kocht man gemeinsam brasilianisch...
  • Bei einer sog. Schreibwerkstatt geht es tatsächlich ausschließlich um das Handwerk des Schreibens. Gäste wollen vom Autor lernen, sich nach dessen Stilmitteln erkundigen, seine Themen aufgreifen, erfahren, wie man Geschichten oder Gedichte in Form bringt etc.
  • Eine Theaterwerkstatt muss nicht in Gegenwart eines Autors stattfinden, aber das kann der Fall sein. Hierbei geht es um die Umsetzung von Texten für die Bühne bzw. darauf. Die Anleitung der Teilnehmer erfolgt also hier entweder durch einen Autor oder Fachpersonal vom Theater.
  • Das Werkstattgespräch ist nicht eindeutig, sondern sozusagen zweideutig definiert: Zum einen kann man darunter verstehen, dass der Autor über seine Arbeitswege Auskunft gibt, die zu einem Werk geführt haben: von der ersten Skizze der Handlung über die Recherche und ihre Quellen bis hin zum vollendeten Text. Manchmal werden aber auch die Begriffe Schreibwerkstatt und Werkstattgespräch synonym verwendet, d. h. in diesem Fall soll ein Werkstattgespräch den Teilnehmern Anregungen aus den Erfahrungen des Referenten heraus zu ihrem eigenen Schreiben vermitteln.

Faustregel: Alles, was nicht als Autorenlesung im engeren Sinne bezeichnet werden soll, dauert länger als diese und ist teurer.

 

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