Blogarchiv

Barbara Rath / der Film:

Du benötigst Flash 9.0.28 oder höher, sowie Javascript um dieses Element anzuzeigen

Gratis-Hörbuch

[nicht nur] zu Ostern

 

rabbit-hintergrund

23 Minuten Hörspaß für Menschen ab 5

Samstag, 19. März 2016 - 07:08 Uhr

Was mir zum Thema Bücher einfällt - 2

Warum mich die Pressemitteilungen von Buchmessen regelmäßig wütend machen

Jetzt kommt wieder eine - eine Buchmesse. Egal, ob Leipzig oder Frankfurt ansteht: Es wird im Vorfeld viel darüber geredet und geschrieben. Und gelogen.

Vertreter der unterschiedlichsten Fraktionen, die mit Büchern & Messen zu tun haben, gefallen sich bei dieser Vorberichterstattung immer wieder darin zu betonen, wie unerhört wichtig die Messen für Verlage sind, um Kontakt zu Autoren bzw. Illustratoren aufzunehmen. Dass mit diesen Aussagen bedrucktes Papier sich nicht angesichts der Lüge widerwillig wellt und die Mikrofone, denen man Solches anvertraut, nicht schamrot anlaufen...!

Wer je als Autor oder Illustrator ohne im Vorfeld abgesprochenen Termin Kontakt mit der Verlagswelt suchend über eine Buchmesse gepilgert ist, kann detaillierte Studien darüber machen, welche Strategien Verlagsmitarbeiter entwickeln, um nur ja nicht angesprochen zu werden. [Vielleicht lässt sich dergleichen ja einmal nutzbringend, weil arg authentisch, in einem Roman verwursten? Das wäre immerhin etwas.] Die Erfahrung, zu einer Art Persona non grata mutiert zu sein, ohne dass man sich einer Untat bewusst wäre, ist gelinde gesagt unangenehm: ohne einen gewissen Bekanntheitsstatus (sechsstellige Auflagenstärke oder die heiße Luft des Teams der Spiegel-Bestsellerliste im Rücken) ermöglicht einem die Kontaktsuche als kleiner Autor / Illustrator auf einer Buchmesse das etwas surrealistische Erlebnis, zwischen Unsichtbarkeit und Offensichtlichkeit quasi übergangslos hin und her springen zu können: Am Catering Stand heißt es ganz normal "Was wünschen Sie?" und nebenan am Verlagsstand geht mein freundlicher Gruß an mehreren Mitarbeitern vorbei, wie eine Rakete, die im falschen Winkel in die Erdatmosphäre getaucht ist, abprallt und am Planeten vorüberschießt. Die Damen und Herren drehen sich elegant wie Vögel im Schwarm, die Kollisionen vermeiden wollen, weg, müssen gerade dringend ihr Smartphone konsultieren, etwas abheften, einen Stapel Informationsmaterial glätten, vergraben die Nase im Taschentuch ... Oder ich bekomme kurz und knapp die Ansage, das Verlagsprogramm stehe bis zum Jahr 2525, man habe feste Vertragsautoren (oder Illustratoren) bzw. ich möge doch schriftlich meine Unterlagen beim Lektorat einreichen. Dazu sei an dieser Stelle bemerkt, dass immer mehr Verlage noch nicht einmal mehr das Standardschreiben durch ihre Praktikanten verschicken lassen, das sich für das Vertrauen (?!)  im Zusammenhang mit der Einsendung bedankt und die Ablehnung als nicht wertend bezeichnet. (Ja was denn sonst?) Eine Manuskripteinreichung geht inzwischen mehrheitlich ins Leere, in ein flegelhaftes Schweigen angeblich kulturschaffender, kulturschützender, kulturstützender Institutionen hinein. Wenn das kein Fortschritt ist…?

Gewiss ist, dass die Verlagswelt eine Menge effektiver Abwehrstrategien entwickelt hat, um bloß nicht von jenen (zugegebenermaßen vielen) produktiven Menschen, die sich Autoren oder Illustratoren nennen, belästigt zu werden, wenn die schriftlich, per Mail oder eben auf Buchmessen versuchen, eine Plattform für ihre kreativen Ergüsse zu finden.

Buchmessen und Verlage mögen über sich alles Mögliche behaupten - aber bitte nicht, sie nähmen an Messeveranstaltungen teil, um neue Kontakte aufzunehmen...


679 Views